Arbeiten mit Kniearthrose: Tipps für Arbeit und Alltag

Kniegelenkarthrose (Gonarthrose) ist ein zunehmender Gelenkverschleiß. Meistens ist eine Überlastung der Gelenke die Ursache. Nicht selten entsteht Kniearthrose durch berufliche Aktivitäten.

Wie lässt sich das Risiko, durch Arbeit an Arthrose zu erkranken, vermeiden? Welche

beruflichen Möglichkeiten oder Arbeitstechniken gibt es, Kniearthrose zu verhindern? Ist ein Berufswechsel aufgrund der Kniearthrose sinnvoll oder sogar zwingend? Wie lassen sich Beruf und Kniearthrose managen? Gibt es bei Kniearthrose Möglichkeiten einer schonenderen Arbeit?

Du hast bestimmt viele Fragen, wir haben Antworten und Tipps. Nutze diese, damit Du Deine Beschwerden reduzieren und unbelasteter mit Arthrose arbeiten kannst.

Folgende berufliche Aktivitäten können Kniearthrose verursachen

Hocken, knien, stehen, sitzen, heben … wer stundenlang solch andauernde berufliche Aktivitäten ausübt, überlastet seine Kniegelenke. Denn die Knochen, Muskeln, Bänder und vor allem der Knorpel brauchen Abwechslung und Bewegung statt Druck und Inaktivität. Wenn die Gelenke über Jahre hinweg überlastet werden, besteht die Gefahr einer Kniearthrose.

Kniearthrose entsteht durch Überlastung eines Gelenks aufgrund von Achsfehlstellungen (O-Beine oder X-Beine), Übergewicht, Alterung, Verletzungen und insbesondere auch durch berufliche Fehlbelastungen. Die Erkrankung kommt schleichend, erst schmerzt das Knie nur beim Aufstehen, dann beim Gehen und Treppensteigen, dann nachts, dann bei jeder Bewegung und Belastung.

 

Berufliche Risikofaktoren für Kniearthrose:

  • Eintönige Bewegungen (andauerndes Knien, Hocken, Fersensitz)
  • Einseitige Tätigkeiten (stundenlanges Stehen)
  • Immer die gleiche Stellung der Kniegelenke (andauerndes Sitzen)
  • Schwere Lasten heben und tragen
  • Schwere körperliche Arbeit
  • Ungünstige Körperhaltung (Fließband)

 

Arbeiten mit Kniearthrose: Diese Berufsgruppen haben ein erhöhtes Risiko, an Kniearthrose zu erkranken

  • Verkäuferin/Verkäufer
  • Kassiererin/Kassierer
  • Pflegepersonal
  • Fliesenlegerin/Fliesenleger
  • Pflasterin/Pflasterer
  • Maurerin/Maurer
  • Bauarbeiterin/Bauarbeiter
  • Schweißerin/Schweißer
  • Dachdecker/Dachdecker
  • Installateur/Installateur
  • Malerin/Maler
  • Arbeiterin/Arbeiter in der Landwirtschaft
  • Gärtnerin/Gärtner
  • Müllwerkerin/Müllwerker
  • Reinigungskräfte
  • Paketzustellerin/Paketzusteller

Warum und wie kommt es zu Gelenkproblemen und Kniearthrose durch die Arbeit?

Durch andauernden Druck, immer die gleichen Bewegungen, starre oder unnatürliche Körperhaltungen kommt es zu Fehlbelastungen und Überlastungen. Der Knorpel wird beschädigt und verliert dadurch seine Funktion als Stoßdämpfer zwischen den Gelenken. Das Risiko, eine Kniearthrose zu entwickeln, erhöht sich durch den Knorpelverlust.

Beeinflusst Kniearthrose die Arbeitsfähigkeit?

Je nach Tätigkeit und je nach Schmerzintensivität und Schmerzhäufigkeit variieren die beruflichen Einschränkungen bei Kniearthrose. Da die Schmerzen mal geringer und mal stärker sind, ist eine objektive Beurteilung nicht so einfach. Idealerweise suchst Du ärztlichen Rat und besprichst die Kniearthrose-Erkrankung mit den Verantwortlichen an Deinem Arbeitsplatz. Eventuell gibt es Lösungen, die Arbeit und den Arbeitsplatz anzupassen, etwa durch häufigere Pausen, stundenweise Arbeit, wechselnde, schonendere Tätigkeiten und gezielte Arbeitstechniken für Menschen mit Kniearthrose.

Mit Arthrose wird man nicht gleich krankgeschrieben und viele Menschen arbeiten trotz chronischer Schmerzen. Viele Betroffene gehen auch erst dann zur Ärztin/zum Arzt, wenn die Schmerzen unerträglich werden und ein Arbeiten mit Kniearthrose nicht mehr möglich ist. Dabei gilt, je eher Du eine Lösung zur Schmerzlinderung findest, desto besser. Denn Arthrose ist nicht heilbar, aber der Verlauf lässt sich verlangsamen und die Symptome lindern.

Fit im Job bleiben, Kniearthrose verhindern

Am besten lässt man es erst gar nicht so weit kommen, dass sich eine Arthrose entwickelt. Präventive Maßnahmen können im beruflichen Umfeld knieschonende Arbeit und bestimmte Arbeitstechniken bei Kniearthrose sein. Doch da es im Beruf oft wenig Spielraum gibt, die Tätigkeiten zu verändern, ist es umso wichtiger, selbst etwas zu tun, um Kniearthrose vorzubeugen, zum Beispiel durch gezieltes Knietraining und durch professionelle Hilfsmittel.

 

Im Arbeitsalltag: Gelenke präventiv vor Kniearthrose schützen

Wer seine Kniegelenke vor Überlastung und Verschleiß schützen und einer Kniearthrose vorbeugen will, sollte für Abwechslung sorgen.

  • Bei körperlich belastenden beruflichen Aktivitäten öfter Pausen machen
  • Abwechselnde Tätigkeiten, sofern möglich
  • Positionswechsel (Wechsel zwischen kniender und stehender Tätigkeit)
  • Zwangshaltungen vermeiden, wo es geht
  • Knien, Hocken, Fersensitz, so wenig es geht
  • Bei knieenden Tätigkeiten können Knieschutzpolster und Kniematten helfen, den Druck vom Knie zu nehmen
  • Trage- und Hebehilfen nehmen das Gewicht vom Kniegelenk
  • Orthopädische Hilfsmittel (Kniebandagen, Knieorthesen) bieten Schutz, Entlastung und Stabilität
  • Bei sitzenden und stehenden Tätigkeiten möglichst oft die Körperhaltung ändern und öfter kurz aufstehen, kurze Bewegungspausen und Mobilitätsübungen machen

In der Freizeit: gezieltes Knietraining gegen Kniearthrose

Regelmäßige moderate sportliche Bewegung und Ausdauersport sind bei Arthrose unverzichtbar. Der Gelenkknorpel wird mit Nährstoffen versorgt und die Beinmuskulatur wird gestärkt. Dies entlastet die Kniegelenke. Ideal sind Ausdauersportarten, die die Kniegelenke in Schwung halten, ohne sie zu stark zu belasten. Dazu gehören zum Beispiel Radfahren, Walking, Spaziergänge und Fitnesssport.

Ebenso unverzichtbar sind gezielte Knieübungen zur Dehnung und Stärkung. Ob Beinpendel, Kniestrecker, Rotations- und Dehnübungen oder Kniebeuge – unsere Knieübungen helfen, die Muskeln aufzubauen, die Gelenkigkeit zu fördern und die Gelenkstabilität zu verbessern, um Kniearthrose vorzubeugen.

Kniebeuge ja, stundenlanges Knien nein!

Starke Muskeln entlasten die Gelenke. Deshalb sind regelmäßiges Training und Bewegung so wichtig, um Kniearthrose vorzubeugen. Bewegung ist außerdem essentiell für gesunde Gelenke, da der Knieknorpel ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit (Synovia), die sich zwischen den Gelenkflächen befindet, mit Nährstoffen versorgt wird. Voraussetzung dafür ist Bewegung. Durch die wechselnde Be- und Entlastung nimmt der Knorpel wie ein Schwamm Flüssigkeit mit Nährstoffen auf und gibt verbrauchte Stoffe wieder ab. Regelmäßige Bewegung ist daher entscheidend für die Nährstoffversorgung des Knorpels.

Wie kann man mit Arthrose schmerzfreier arbeiten?

Bei ständigen Knieschmerzen fällt das Arbeiten nicht leicht und es gibt zahlreiche berufliche Einschränkungen durch die Kniearthrose. Wer nicht mehr ständig in die Hocke gehen kann, wem langes Stehen schwerfällt, wer Probleme mit schwerer körperlicher Arbeit oder ungünstigen Körperhaltungen hat, sollte nach einer medizinischen Behandlung suchen, um die Schmerzen zu lindern.

Die klassische Behandlung von Kniearthrose besteht aus einer Kombination aus Bewegungs-Therapie, Physiotherapie, gesunder Ernährung und orthopädischen Hilfsmittel. Schmerzmittel sollten aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingenommen werden.

Da es sich bei Kniearthrose nicht um eine akute, sondern eine chronische Erkrankung handelt, ist eine langfristige Behandlung wichtig, um die Schmerzen dauerhaft zu lindern und auch die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Zu diesen langfristig orientierten Lösung im Rahmen der Arthrose-Therapie gehören Knieorthesen.

 

Für den Arbeitsalltag bei Kniearthrose: eine Orthese unterstützt das Knie

Orthesen für Kniearthrose stabilisieren, unterstützen und entlasten das Kniegelenk. Sie sind leicht und komfortabel und können bei alltäglichen und beruflichen Aktivitäten genutzt werden.

Speziell zur Behandlung von moderater und schwerer Kniegelenkarthrose wurde die Unloader One® X Knieorthese entwickelt. Dazu hat Össur das 3-Punkt-Wirkprinzip entwickelt. Das Zusammenwirken der Zuggurte und Schalen sorgt dafür, dass die Last, die auf das Gelenk wirkt, umverteilt wird. Dadurch verringert sich der Druck und das betroffene Gelenk wird entlastet. So kann die Kniearthrose-Orthese helfen, Schmerzen zu lindern, die Stabilität wiederherzustellen und die Kniegelenkfunktion zu verbessern.

Knieorthese im Sanitätshaus kostenlos testen

Bei einem Orthesen-Test kannst Du Dich selbst von der Wirkung und Funktion einer Arthrose-Knieorthese überzeugen. Lass Dich beraten, ob Dir eine entlastende Knieorthese hilft, Beruf und Kniearthrose besser zu managen. In unserem Händlerverzeichnis findest Du ein Sanitätshaus in Deiner Region.

Arbeitsfähigkeit bei Kniearthrose: Anerkennung als Berufskrankheit?

Arbeitsfähigkeit bedeutet, dass man die „Arbeitsaufgaben unter Berücksichtigung der psychischen und physischen Ressourcen“ bewältigen kann“. Andauernde Knieschmerzen können bei Kniearthrose zu beruflichen Einschränkungen führen, sodass ein Arbeiten nur noch eingeschränkt oder nicht mehr möglich ist.

 

Kniearthrose durch Arbeit – Berufskrankheit Nummer 2112

Kniearthrose wird bei chronischen Kniegelenkbeschwerden, bei Funktionsstörungen im Kniegelenk und bei einer Gonarthrose-Diagnose Grad 2–4  unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt. Dabei muss eindeutig belegt werden, dass der gesundheitliche Schaden durch eine langjährige berufliche Tätigkeit im Knien oder eine vergleichbare Kniebelastung entstanden ist. Die gesetzlichen Unfallversicherungsträger bzw. Berufsgenossenschaft muss die Kniearthrose als Berufskrankheit anerkennen.

Wenn Du durch die Folgen Deiner beruflichen Tätigkeit an Kniearthrose leidest und Deine beruflichen Möglichkeiten eingeschränkt sind, bespricht dies am besten mit Deiner Ärztin/Deinem Arzt und wende Dich bei einer entsprechenden Diagnose an die zuständige Berufsgenossenschaft.

Falls Du aufgrund Deiner gesundheitlichen Einschränkungen durch die Kniearthrose Deine beruflichen Aktivitäten nicht mehr ausüben kannst, kann ein Berufswechsel notwendig werden. Zum Beispiel ein Wechsel von weniger körperlich anstrengenden Tätigkeiten zu einer schonenderen Tätigkeit mit neuen berufliche Möglichkeiten.

Arbeiten mit Kniearthrose – häufige Fragen

Arbeiten mit Kniearthrose: Woran erkenne ich, ob ich Kniearthrose habe?

Schmerzen bei Bewegung und im Stehen, Anlaufschmerzen, nächtliche Schmerzen und eingeschränkte Gelenkfunktionen sind die typischen Arthrose-Symptome. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlungsoptionen bei Arthrose.

Muss ich mit Arthrose arbeiten?

Das ist von der Art Deiner beruflichen Tätigkeit und dem Ausmaß der Beschwerden abhängig. Ob man aufgrund von Kniearthrose krankgeschrieben wird, entscheidet die Ärztin/der Arzt.

Arbeiten mit Kniearthrose – wann ist eine Knieorthese geeignet?

Es gibt keine Knieorthese für bestimmte berufliche Tätigkeiten. Eine Knieorthese ist generell dafür vorgesehen, die durch Kniearthrose verursachten Schmerzen durch die Entlastung der Gelenke zu lindern. Ob eine Knieorthese Dich bei Deiner Arbeit unterstützen kann und eine schonende Arbeit ermöglicht, hängt von Deiner beruflichen Tätigkeit und Deinen individuellen Beschwerden ab.

Ich habe berufliche Einschränkungen durch Kniearthrose. Bezahlt mein Arbeitgeber eine Knieorthese?

Knieorthesen sind orthopädische Hilfsmittel und werden ärztlich verordnet. Daher muss man diese nicht bezahlen. Es kann ggf. zu einer Zuzahlung kommen. Wenn Du aufgrund Deiner Kniearthrose ein Rezept für eine Knieorthesen bekommen hast, erhältst Du diese anschließend im Sanitätshaus.

Arbeitsfähigkeit bei Kniearthrose: Bei welchen Berufen wird Kniearthrose als Berufskrankheit

Insbesondere bei jahrelangen Tätigkeiten im Knien, Hocken, im Fersensitz oder im Kriechen kommt es zur Anerkennung von Kniearthrose als Berufskrankheit, weil diese die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Dazu gehören unter anderem folgende Berufsgruppen: Fliesenleger/in, Teppichleger/in, Parkettleger/in, Estrichleger/in, Pflaster/in, Dachdecker/in, Installateur/in, Maler/in, Gärtner/in, Schweißer/in, Schiffbauer/in, Werftschlosser/in u.Ä.

Arbeiten mit Kniearthrose: Stimmt es, dass nur alte Menschen an Kniearthrose erkranken?

Nein, auch junge Menschen sind aufgrund von überlasteten Kniegelenken von Arthrose betroffen. Das Alter ist auch nur eine der möglichen Ursachen. Arthrose entsteht vorrangig durch Überlastung eines Gelenks aufgrund einer Achsfehlstellung (O-Bein oder X-Bein) sowie durch Fehlbelastungen, Übergewicht, Alterung, Verletzungen und zu wenig Bewegung.

Quellen:

  • Knien und Hocken beanspruchen die Kniegelenke stärker als gedacht. www.aerzteblatt.de/news/knien-und-hocken-beanspruchen-die-kniegelenke-staerker-als-gedacht-f1d44938-316e-4d73-9fae-f94b02dd20a6
  • Erfassung arbeitsbedingter Kniebelastungen in ausgewählten Berufen. www.dguv.de/ifa/publikationen/reports-download/reports-2012/ifa-report-2-2012/index.jsp?query=webcode+d138257
  • Merkblatt zur Berufskrankheit Gonarthrose. www.baua.de/DE/Themen/Praevention/Koerperliche-Gesundheit/Berufskrankheiten/pdf/Merkblatt-2112#:~:text=Merkblatt%20zur%20Berufskrankheit%20Nr.,einer%20Mindesteinwirkungsdauer%20von%20...%22
  • Berufskrankheit Nr. 2112 – außerberufliche Faktoren. Eine Standortbestimmung auf Basis der aktuellen Literatur. https://www.dguv.de/medien/inhalt/versicherung/berufskrankheiten/begutachtung/trauma_und_berufskrankheit.pdf