Mit dem Navii zu den Paralympics nach Los Angeles 2028

Bereits im Alter von nur fünf Jahren wird der Engländerin Julie im Bereich des Oberschenkels amputiert. Was mit einer kindgerechten Versorgung begann, war rückblickend eine kleine Zeitreise durch die Entwicklung der Prothesentechnik. Von hydraulischen Modellen bis hin zu mikroprozessorgesteuerten Prothesenkniegelenken hat die 27-jährige Britin alle Meilensteine miterlebt. Heute, auf dem Höhepunkt ihrer sportlichen Ambitionen, hat sie mit dem Navii genau die Beinprothese gefunden, die sie ans und vor allem ins Ziel bringen könnte.

Durch Offenheit die Barrieren in den Köpfen niederreißen

In all den Jahren hat es Julie nie Überwindung gekostet, sich mit ihrer Beinprothese in der Öffentlichkeit zu zeigen. „Ich habe kein Problem damit, mich jederzeit und überall in kurzen Hosen oder Röcken zu zeigen. Ich hatte schon immer das Bedürfnis, diese Barriere niederzureißen, die man spürt, wenn Leute hinter Deinem Rücken über Deine Behinderung spekulieren und tuscheln. Viele Menschen werden erst dann richtig neugierig, wenn sie das Gefühl haben, dass man etwas vor ihnen zu verbergen versucht.“

Amputation aufgrund von Dysmelie

Die Entscheidung für eine Amputation wurde damals aufgrund von Julies Dysmelie gefällt. „Ich wünschte, ich hätte eine spannendere Geschichte zu erzählen, aber es handelt sich tatsächlich um eine angeborene Fehlbildung. Nicht mehr und nicht weniger. Ich wurde ohne mein rechtes Schienbein geboren, also reisten meine Eltern durch das ganze Land und suchten zahlreiche Ärzte auf, um herauszufinden, was meine Mobilität als Kind am besten gewährleisten könnte. Schließlich waren sich alle einig, dass eine Amputation mit anschließender Prothesenversorgung die beste Lösung darstellte.“

Eine Kindheit, die keine Grenzen setzt, sondern Können fördert

Kinder gehen mit einer Behinderung oft viel unbeschwerter um als Erwachsene. Wenn man sie denn lässt. „Bis heute haben mir meine Familie und die Menschen in meinem Umfeld nie das Gefühl gegeben, dass ich aufgrund meiner Behinderung eingeschränkt oder unfähig wäre, bestimmte Dinge zu tun. Mir wurde nie das Gefühl vermittelt, dass ich mir wegen meiner Andersartigkeit Sorgen machen müsste. Dass ich mit einem extrem sportlichen Zwillingsbruder aufgewachsen bin, hat auch nicht geschadet.“

In den vergangenen 22 Jahren hat sich Julie niemals mit einem Nein zufriedengegeben, wenn es darum ging, sich ein Leben aufzubauen, das vielen ihrer Follower höchsten Respekt abnötigt.

Modelgeschäft und die Leidenschaft für den Sport

Ursprünglich als Sachbearbeiterin im Finanzwesen ausgebildet, ist sie inzwischen ins kommerzielle Modelling gewechselt, mit dem festen Wunsch, eines Tages auch als Sportmodel tätig zu werden. Doch wichtiger noch ist der zielstrebigen Frau, die kürzlich in den Großraum London gezogen ist, ihre geplante Paralympics-Teilnahme als Sprinterin in Los Angeles 2028 nicht aus dem Auge zu verlieren. Kein Wunder, dass sie ihre möglichen Konkurrentinnen im 100-Meter-Sprint schon jetzt im Fokus hat.

Erfahrene Paralympionikin mit neuem Ziel

Julie ist keine Newcomerin im Leistungssport. Schon als Teenager nahm sie vor heimischem Publikum an den Paralympischen Spielen in London (2012) teil, damals noch als Sitzvolleyballerin. Später dann, in Rio de Janeiro (2016), ging sie als Läuferin an den Start. Seitdem hat diese Sportart sie in ihren Bann gezogen. Doch Julie ist viel zu bescheiden, um sich selbst als Vorbild für Menschen in ähnlicher Situation zu sehen, und dennoch ist sie sich ihrer besonderen Rolle bewusst.

„Schätze, mir wurde da eine ganz besondere Aufgabe übertragen, um etwas zu bewirken, das die Welt zu einem besseren Ort machen kann“, erklärt sie stolz. „Schon jetzt kann man beobachten, dass sich etwas ändert in der medialen Darstellung von Menschen, die anders sind.“

„Schätze, mir wurde da eine ganz besondere Aufgabe übertragen, um etwas zu bewirken, das die Welt zu einem besseren Ort machen kann“, erklärt sie stolz. „Schon jetzt kann man beobachten, dass sich etwas ändert in der medialen Darstellung von Menschen, die anders sind.“

Julie