Zwischen Identität, Selbstfindung und Akzeptanz 

Die Pubertät ist eine aufregende, aber auch herausfordernde Zeit – für alle Jugendlichen. Der Körper verändert sich, Emotionen fahren Achterbahn, und die Frage „Wer bin ich eigentlich?“ steht plötzlich im Mittelpunkt. Für Jugendliche mit Prothese kommt noch eine weitere Ebene hinzu: die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körperbild und der Wahrnehmung von „Anderssein“. 

Wenn die Prothese plötzlich stört 

Was in der Kindheit vielleicht als spannend oder cool empfunden wurde – etwa eine „Superheld:innen-Prothese“ oder ein Hightech-Arm – kann in der Pubertät auf einmal als störend empfunden werden. Viele Jugendliche möchten nicht auffallen, sondern dazugehören. Eine sichtbare Prothese steht diesem Wunsch manchmal im Weg. 

Manche entscheiden sich dann, ihre Prothese seltener oder gar nicht zu tragen. Das ist kein Zeichen von Ablehnung, sondern Teil eines ganz normalen Entwicklungsprozesses. Es geht um Selbstbestimmung und darum, die eigene Identität neu zu definieren. 

Vom „coolen Extra“ zum Symbol der Andersartigkeit 

Im Kindesalter ist die Prothese meist ein praktisches Hilfsmittel – sie hilft beim Spielen, Klettern, Toben. In der Jugend verändert sich die Wahrnehmung: Die Prothese wird stärker mit Ästhetik, Zugehörigkeit und Außenwirkung verbunden. Das Körperbewusstsein wächst und damit auch die Sensibilität dafür, was „anders“ ist. 

Was früher stolz gezeigt wurde, wird nun vielleicht versteckt. Und das ist okay. Jede:r Jugendliche sollte diesen Weg der Selbstfindung auf seine:ihre Weise gehen dürfen. 

Der Einfluss des Umfelds 

Freund:innen, Mitschüler:innen und Vorbilder spielen jetzt eine besonders wichtige Rolle. Akzeptanz, Verständnis und positive Vorbilder – etwa Influencer:innen oder Sportler:innen mit Prothese – können Jugendlichen Mut machen, ihren eigenen Weg zu finden. Ebenso wichtig ist, dass sie in Entscheidungen rund um ihre Prothese einbezogen werden: Wann sie getragen wird, welches Design sie hat, oder ob es überhaupt eine sein soll. 

Begleiten statt bewerten

Für Eltern und das weitere Umfeld empfiehlt es sich, zuzuhören, Verständnis zu zeigen und nicht zu werten. Eine Phase der Ablehnung ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck von Entwicklung. Gespräche mit Psycholog:innen oder vielleicht auch mit dem:der Orthopädietechniker:in können helfen, Unsicherheiten aufzufangen und Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre eigene Balance zu finden – zwischen Funktionalität, Selbstbild und Lebensfreude.

Die Pubertät ist eine Zeit des Wandels – körperlich, seelisch und sozial. Für Jugendliche mit Prothese bedeutet sie oft, die eigene Geschichte und Identität neu zu schreiben. Wenn sie dabei begleitet werden – offen, empathisch und ohne Druck –, kann aus dieser Phase eine wertvolle Zeit des Wachstums werden. Eine Zeit, in der sie lernen, ihren Körper und ihre Prothese als Teil ihrer Einzigartigkeit zu akzeptieren.